KZ-Häftlinge aus Dachau bei der Rüstungsproduktion 1943
(Foto: akg-images, Berlin)

Polnische Kriegsgefangene wurden bereits zu Beginn des Krieges ins »Reich« gebracht, um dort Zwangsarbeit zu leisten
(Foto: Bundesarchiv, Bild 101/12/41/17A)

 ZWANGSARBEITER GEHÖRTEN ZUM ALLTAG, für jedermann sichtbar: bei der Arbeit und auf der Straße. Zwischen 1939 und 1945 gab es kaum einen Ort in Deutschland, der nicht vom Einsatz der Zwangsarbeiter profitierte. Nahezu jedes Unternehmen setzte Zwangsarbeiter ein, vom Handwerksbetrieb bis zum Großkonzern. Auch zahlreiche öffentliche Versorgungsbetriebe – ob Gaswerk oder Straßenreinigung –, die Reichsbahn und die meisten landwirtschaftlichen Betriebe, ja selbst Privathaushalte beschäftigten Zwangsarbeiter. Ihre Gesamtzahl wird auf bis zu 13,5 Millionen Menschen geschätzt. Über 4 Millionen davon waren Kriegsgefangene, andere waren ursprünglich als Freiwillige angeworben und später zwangsverpflichtet worden. Ein stetig wachsender Anteil aber wurde, vor allem aus Osteuropa, gewaltsam verschleppt und hier zur Arbeit gezwungen – Frauen, Männer und Kinder (Zahlen nach Spoerer, 2001).
»Ostarbeiter« erhielten zwar Lohn, im Schnitt allerdings weniger als ein Drittel im Vergleich zu deutschen Arbeitskräften. Der Lohnanteil für Unterkunft und Verpflegung wurde direkt einbehalten.
 AUSLÄNDISCHE ARBEITSKRÄFTE waren den Nationalsozialisten jedoch ideologisch ein Dorn im Auge. Zur Zeit ihres Machtantritts war deren Anzahl im Deutschen Reich gering. Dazu hatten die vorangegangene Wirtschaftskrise und die bereits in der Weimarer Republik restriktive Ausländerpolitik beigetragen. Die herrschende Arbeitslosigkeit bekämpfte das neue Regime mit der Fortsetzung der durch die Vorgängerregierung begonnenen Infrastruktur- und Arbeitsbeschaffungsprogramme, aber auch durch eine massive Ausweitung der Rüstungswirtschaft. Bereits 1936 gab es einen Arbeitskräftemangel insbesondere in der Landwirtschaft, der nur durch die Anwerbung zusätzlicher ausländischer Arbeitskräfte bewältigt werden konnte – ein Ausweg, der aber letztlich die Devisenknappheit noch verstärkte, da die ausländischen Arbeitnehmer ihre Ersparnisse in Devisen anlegten und diese heimschickten.
 EINE »BILLIGERE« BESCHAFFUNGSMÖGLICHKEIT eröffneten der »Anschluss« Österreichs, die Annektierung des Sudetenlandes und die Besetzung des übrigen tschechischen Territoriums als »Protektorat Böhmen und Mähren«: Arbeiter aus diesen Regionen konnten nun zwangsverpflichtet und den gleichen oder strengeren Reglements wie Deutsche unterworfen werden, ohne dass außenpolitische Rücksichten genommen werden mussten. Nicht nur entfiel das Devisenproblem, die »Anschlussgebiete« brachten auch große Gold- und Devisenbestände – das Vierfache der deutschen – sowie neue Rohstoffquellen für die deutsche Rüstungsindustrie mit ein. Mit Polen wurden währenddessen Kontingente für polnische Landarbeiter und Erntehelfer ausgehandelt. Als deren Ausreise 1939 durch die polnische Regierung wegen der zunehmenden Spannungen unterbunden wurde, richtete das »Dritte Reich« eigene Grenz-Arbeitsämter zur Erfassung der illegal über die »grüne Grenze« kommenden polnischen Arbeitssuchenden ein.
 BEREITS IM ERSTEN WELTKRIEG hatte man Kriegsgefangene zum Arbeitseinsatz herangezogen. Aufgrund dieser Erfahrungen war die »Verwertung« der Kriegsgefangenen fester Bestandteil der Kriegsplanungen und schon im Januar 1939 sehr detailliert vorbereitet. Als am 1. September, einem Freitag, der Krieg begann, marschierten die Beamten der Arbeitsverwaltung sozusagen im Tross mit. Am Sonntag wurde im oberschlesischen Rybnik das erste deutsche Arbeitsamt errichtet, bis zum 19. September – als die ersten Zivilarbeitertransporte von Gdynia (Gdingen) und Gniezno (Gnesen) abgingen – waren es 30 Dienststellen im besetzten Gebiet. Und schon wenige Tage nach Kriegsbeginn wurden die ersten polnischen Kriegsgefangenen im »Reich« eingesetzt. Ende September waren es 100.000, bis Jahresende 300.000 (vgl. Herbert, Fremdarbeiter, 1999, S. 77ff.). Das alles reichte aber bei weitem nicht aus. Im Januar 1940 erging daher eine Anordnung des neuen Generalgouverneurs Frank über »Bereitstellung und Transport von mindestens 1 Million Land- und Industriearbeitern – davon etwa 750.000 landwirtschaftliche Fachkräfte, von denen mindestens 50% Frauen sein müssen«. Solche Massenbewegungen waren nicht mehr durch Anwerbung Freiwilliger, sondern nur durch Zwangsmaßnahmen zu erreichen.
 WIRTSCHAFT UND KRIEGSFÜHRUNG  wären ohne die Verschleppung polnischer, französischer, ukrainischer und russischer Menschen spätestens Anfang 1942 zusammengebrochen. Ohne sie wären die eingezogenen deutschen Männer nicht zu ersetzen gewesen. Insgesamt wurden während der Kriegsjahre etwa 13,5 Millionen Menschen aus über 20 Nationen als Zwangsarbeiter nach Deutschland verbracht, etwa 4,6 Millionen davon als Kriegsgefangene. Allein im August 1944 wurden knapp 6 Millionen »Zivilarbeiter« und über 1,9 Millionen dienstverpflichtete Kriegsgefangene gezählt. Ebenfalls zu Zwangsarbeiten eingeteilt waren die in Gettos zusammengepferchten oder in Konzentrationslager deportierten Juden. Insgesamt wurden über 1,5 Millionen KZ-Häftlinge verschiedenster Nationen Opfer der Ausbeutung durch Arbeit.
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Zeitungsnotiz »Haltet Abstand« (143 kB)

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»Frage der Polen im Reich« (185 kB)

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»Politischer Lagebericht« (323 kB)

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Merkblatt »Wie verhalten wir uns« (428 kB)

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Merkblatt für deutsche Betriebsführer (395 kB)

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Merkblatt Kriegsgefangene (221 kB)

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Merkblatt Pflichten der Zivilarbeiter (375 kB)

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Reichsfrauenführung (573 kB)

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Wochenkarte für ausländische Zivilarbeiter (767 kB)