DAS HAUS, IN DEM ICH LEBE – wer lebte vor 60 oder 70 Jahren hier? Das Unternehmen, für das ich arbeite – wer arbeitete dort? Fragen, die ein Anfang sein können. Die uns dazu bewegen können, auf die Suche zu gehen. 13,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Welche Menschen, welche Lebenserfahrungen und -geschichten stehen hinter dieser anonymen Zahl? DIE SPUREN DES ZWANGSARBEITEREINSATZES existieren bis heute fort: in den Erinnerungen der Betroffenen, in den Erinnerungen der Deutschen ihrer Generation, in Archiven. Manche Unternehmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben, bestehen noch heute, ebenso Gebäude, in denen Zwangsarbeiter gearbeitet haben oder untergebracht waren. Doch viele Spuren sind verwischt. Wo Barackenlager standen, wurden Neubauten errichtet, Straßen wurden umbenannt, Gräber aufgehoben. AUF DER SUCHE begegnen wir Orten und Menschen, die eine lebendige Brücke sind zwischen Geschichte und Gegenwart. Sie bringen uns Geschichte nahe. Die Geschichte des Ortes, an dem wir leben, und des Landes, dessen Bürger wir sind. Auch die Geschichte der Kirche, deren Teil wir sind. Die eigene Recherche kann uns helfen, zu begreifen und Antworten zu finden. Antworten darauf, wie die ungeheuren Verbrechen, die im Namen Deutschlands verübt wurden – an Juden, an Sinti und Roma, an Zwangsarbeitern, an Nachbarn und Nächsten –, geschehen konnten. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte kann uns aufmerksamer machen gegenüber Unrecht, das heute geschieht. Aufmerksamer auch im Umgang mit anderen, zum Beispiel mit Menschen fremder Herkunft oder anderen Glaubens, die heute unsere Nachbarn sind. DIE PERSÖNLICHE BEGEGNUNG und das Gespräch mit Zeitzeugen sind unersetzliche Schritte gegen das Schweigen und das Vergessen. Schritte auf dem Weg zur Versöhnung. Doch nur wenige sind noch am Leben, und diese wenigen sind heute hoch betagt. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, auf sie zuzugehen und sie zu fragen.
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