DIENSTVERPFLICHTUNGEN führten zu einem Personalmangel in kirchlichen Einrichtungen. Seit 1935 wurden Geistliche und Angehörige von Ordensgemeinschaften einberufen, zunächst zum Reichsarbeitsdienst und zur Deutschen Arbeitsfront, später zur Wehrmacht. Seit 1940 war es verboten, neue Laienbrüder und -schwestern in die Konvente aufzunehmen. Vor allem dieser Personalmangel, aber auch drohende Beschlagnahmung und Enteignung veranlassten kirchliche Einrichtungen, die Zuteilung ausländischer Arbeitskräfte zu beantragen und damit am Unrechtssystem der Zwangsverschleppungen und Ausbeutung durch Arbeit teilzuhaben. Dass dies Unrecht war, wurde in der Katholischen Kirche und den Einrichtungen, die von der Beschäftigung von Zwangsarbeitern profitierten, nicht oder erst lange nach Ende des Zweiten Weltkrieges thematisiert. 3.683 ZWANGSARBEITER IN KIRCHLICHEN EINRICHTUNGEN sind bislang bundesweit nachgewiesen. Die meisten waren in kirchlichen Krankenhäusern und landwirtschaftlichen Betrieben verschiedener Klöster tätig. Viele kirchliche Häuser dienten auch zur Unterbringung von Zwangsarbeitern, die in anderen Betrieben arbeiteten. UNZÄHLIGE ZWANGSARBEITER kamen in Deutschland zu Tode – sei es durch direkte Gewalteinwirkung oder durch Hunger und Krankheiten. Ab 1941 standen Zwangsarbeiter, die an ansteckenden Krankheiten litten, in Gefahr, durch die staatlichen Aufsichtsstellen in Vernichtungslager verbracht zu werden. Viele Zwangsarbeiter litten unter erniedrigender und entwürdigender Behandlung. Dabei handelte es sich nicht etwa um Übergriffe Einzelner, zumindest hinsichtlich der »Ostarbeiter« hatte dies System. Aus kirchlichen Einrichtungen sind derartige Vorkommnisse jedoch bisher so gut wie nicht bekannt. KATHOLISCHE PRIESTER UND LAIEN haben sich vor allem religiös-seelsorglich, aber auch durch Hilfe in Alltagsdingen für die Zwangsarbeiter eingesetzt. Unter Missachtung der strengen Vorschriften und der rassenpolitischen Grundregeln des Nationalsozialismus war der alltägliche Umgang oft von Entgegenkommen und heimlicher Zuwendung geprägt. Lebensmittelgeschenke sind hier ebenso zu nennen wie die Überlassung von Fahrrädern und Sonntagskleidern für den Besuch der heiligen Messe. Auch hinter der Übernahme von Kindern, Frauen und Männern, die auf ihren Arbeitsstellen erkrankt waren, in den eigenen Dienst stand nicht selten der Wunsch, deren Los zu bessern.
|