Mönche und Landarbeiter bei der Heuernte. (Foto: Archiv der Abtei Marienstatt)

Arbeitskarte des poln. Landarbeiters Iwan M.
(Archiv der Abtei Marienstatt)

Verwaltungs-Beitragskarte des poln. Landarbeiters Iwan M.
(Archiv der Abtei Marienstatt)

MARIENSTATT/WW.
DIE ZISTERZIENSER-ABTEI IN MARIENSTATT/WESTERWALD

 KRIEGSGEFANGENE UND FREMDARBEITER gehörten in der Kriegszeit zum Alltag im landwirtschaftlich geprägten Umland des Klosters. Der spätere Prior P. Placidus Hülster versuchte als Kurat der Pfarrei Marienstatt, seelsorgerische Kontakte mit den in den umliegenden Ortschaften beschäftigten Zivilarbeitern und Kriegsgefangenen herzustellen. Das brachte ihm eine Verwarnung durch die Gestapo ein. Laut Pfarrchronik bestanden 1940 in Oberhattert, Kroppach und Kundert Kriegsgefangenen-Arbeitskommandos. In Luckenbach in der Nähe des Klosters ist ein Zivilarbeiterlager mit 115 Insassen nachgewiesen.   
 IMMER NEUE VORSCHRIFTEN und Einstufungen der Fremdarbeiter nach rassenideologischen Gesichtspunkten wurden erlassen. Die Rechtslage war unübersichtlich und zum Teil widersprüchlich. Abt Idesbald Eicheler schrieb am 13. August 1943 an Generalvikar Göbel: »In hiesiger Gegend sind französische Zivilarbeiter, darunter Ordensleute, (...) seit einigen Wochen eingesetzt. Wäre dankbar erfahren zu können, wie weit diese an den Gottesdiensten für deutsche Katholiken teilnehmen dürfen, ob es nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen erlaubt ist, diesen Zivilarbeitern die heilige Kommunion und das Bußsakrament zu spenden in der Pfarrkirche.«
 DIE LANDWIRTSCHAFT umfasste nur noch einige kleinere Felder und Gärten, nachdem der Abtei 1938 das Pachtrecht über den Eichhartshof entzogen worden war. Dennoch beschäftigte die Abtei zwischen 1941 und 1945 vier Zwangsarbeiter als landwirtschaftliche Arbeitskräfte. Sie waren entweder im Rahmen des so genannten »Poleneinsatzes« ab 1940 aus dem besetzten Polen nach Deutschland deportiert oder als Kriegsgefangene in den Status von »Zivilarbeitern« überführt worden.
 DER JÜNGSTE von ihnen war Michael H. aus der Region Lemberg. Er wurde wahrscheinlich nach der »Einverleibung« Galiziens im Sommer 1941 – noch nicht sechzehnjährig – nach Deutschland verschleppt.
Ein anderer der polnischen Arbeiter kam 1942 für drei Monate in ein »Arbeitslager«. Eventuell handelte es sich dabei um eine Disziplinierungsmaßnahme der NS-Behörden wegen »Arbeitsbummelei«. Nach den Erinnerungen von P. Albert Kloth wurden die Zivilarbeiter »menschlich« behandelt, obwohl der Gutsverwalter des Klosters von den NS-Behörden zu regelmäßiger Prügelstrafe angewiesen worden sei.
 Zur Liste aller Einrichtungen im Bistum Limburg, in denen Zwangsarbeiter untergebracht oder beschäftigt waren.
 Zurück zur Übersichtskarte
 DAS ZISTERZIENSERKLOSTER MARIENSTATT  wurde 1888 von Mönchen aus Mehrerau (Österreich) wiederbesiedelt. Da es nicht vermögend und eher abgelegen war, blieb es in der NS-Zeit von Aufhebung oder Beschlagnahme verschont. Erst ab 1941 kam es zu Einlagerungen durch Museen und Bibliotheken und zu Einquartierungen von Evakuierten. Im März 1945 wurde Marienstatt schließlich noch für einige Wochen zum Kriegslazarett.
Unbeobachtet blieben die Brüder indes nicht: Abt Eberhard Hoffman musste 1936 wegen »Devisenvergehens« ins Ausland fliehen. Er hatte einem Mitbruder, der in Rom studierte, Semestergeld zugesandt. Sein Nachfolger Idesbald Eicheler wurde 1942 wegen angeblicher Unterschlagung einer Bronzeglocke angeklagt (das Verfahren wurde in zweiter Instanz eingestellt). Im Zuge der Ermittlungen »fand« die Gestapo im Kloster eine Tuschezeichnung, auf der ein Mönch mit erhobener Axt gegen einen Drachen kämpfte – auf der Drachenbrust ein eingezeichnetes Hakenkreuz. Am Ende musste der Abt 3.000,- Reichsmark »Sicherungsgeld« zahlen.
Sehr viel härter traf es P. Raymund Lohausen, der als Aushilfspriester in Siegburg wegen Kanzelmissbrauchs und angeblicher staatsfeindlicher Äußerungen 1943 in Gestapo-Haft kam. Ohne Gerichtsverfahren wurde er ins KZ Dachau verbracht.