Pfarrer Hans (mit Kindergarten-Kindern, die ihm zum Namenstag gratulieren)
(Foto: Pfarrei Lorch)

LORCH
PFARREI ST. MARTIN

 EIN ARBEITSKOMMANDO von 30 bis 35 polnischen Kriegsgefangenen war im Februar 1940 in Lorch zur Zwangsarbeit eingesetzt. Der Lorcher Pfarrer Johannes Hans hielt für sie regelmäßig Sondergottesdienste ab. Nach Verlegung der Polen wurde im Zuge des Frankreichfeldzuges im alten Lorcher Sägewerk ein bewachtes Lager mit französischen Kriegsgefangenen untergebracht, das dem Stalag XII A bei Diez unterstand.   
 AUF DEN PFARRWEINGÜTERN von St. Martin waren mindestens drei dieser Kriegsgefangenen, darunter ein Algerier, eingesetzt. Louis R. aus der Nähe von Narbonnes war in seinem Heimatland selbst Winzer und Gutsbesitzer. Er arbeitete vorwiegend für die Pfarrei, aber auch für andere Weingüter am Ort und eine ansässige Gärtnerei. Nach seiner Heimkehr unterhielt er noch lange freundschaftliche Kontakte mit Lorcher Familien, die ihn auch in Frankreich besuchten.
 NICHT OHNE PERSÖNLICHES RISIKO war der Umgang, den Pfarrer Johannes Hans mit den Zwangsarbeitern pflegte. So erinnert sich Pfarrer i.R. Ferdinand Eckert, 1939-1944 Kaplan in Lorch, dass einer der Franzosen regelmäßig im Pfarrhaus mit am Tisch gegessen habe. Ein solches Verhalten konnte leicht als Verbrüderung mit dem »Feind« ausgelegt werden. Schon mit Verfügung vom 12. Mai 1941 hatte das Oberkommando der Wehrmacht »gottesdienstliche Handlungen« für Kriegsgefangene durch deutsche Geistliche verboten. Der stellvertretende Wehrkreispfarrer in Wiesbaden teilte Pfarrer Hans auf eine Anfrage am 9. Juli 1941 mit, die heilige Messe könne »grundsätzlich nur durch in Gefangenschaft geratene Geistliche der Feindmächte« gefeiert werden. In einem Merkblatt »Verhalten gegenüber Kriegsgefangenen«, das im Pfarrarchiv Lorch aufbewahrt wird, heißt es: »Kriegsgefangene gehören nicht zur Haus- oder Hofgemeinschaft (...). Sie haben als Soldaten ihres Landes gegen Deutschland gekämpft, sind daher unsere Feinde. Wer sie besser behandelt als deutsche Arbeitskräfte, wird zum Verräter an der Volksgemeinschaft. (...) Jedes Entgegenkommen gegenüber Kriegsgefangenen erleichtert dem Feind die Spionage und Sabotage und richtet sich damit gegen unser Volk.«
 Zur Liste aller Einrichtungen im Bistum Limburg, in denen Zwangsarbeiter untergebracht oder beschäftigt waren.
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Brief Pfarrer Hans (90 kB)

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Brief zur Kriegsgef.-Seelsorge (155 kB)