Krankenhaus und Ökonomie der Barmherzigen Brüder (zeitgenössische Aufnahme) (Foto: Stadtarchiv Montabaur)

Nach 61 Nein-Stimmen bei der Volksabstimmung zum »Anschluss« Österreichs 1938 hängten die Stadtväter am Rathaus eine Brüderpuppe auf: »Ich bin einer von den 61 lumpigen Verrätern« (Foto: Barmherzige Brüder)

MONTABAUR
EINRICHTUNGEN DER BARMHERZIGEN BRÜDER

 REPRESSALIEN UND FINANZIELLER DRUCK auf die Genossenschaft der Barmherzigen Brüder durch die Nationalsozialisten waren seit 1934 an der Tagesordnung. Schon früh versuchten die neuen Machthaber, die von den Brüdern betriebenen Krankenhäuser und Sanatorien an sich zu ziehen. Die ständige Beobachtung durch die Gestapo seit 1935 und politisch motivierte Verhaftungen und Strafprozesse setzten den Brüdern zu. Etwa 60 von ihnen waren zeitweise oder länger in Haft. Der Generalobere des Ordens, Br. Hyazinth Vey, wurde wegen angeblicher Devisenschieberei zu vier Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 50.000,- Reichsmark verurteilt. Er starb 1937 – schwer misshandelt – in der Strafanstalt Brandenburg.   
 DAS KRANKENHAUS MONTABAUR UND DAS VINZENZHAUS dienten während des Zweiten Weltkrieges als Lazarette. Sie waren durchweg mit 400 bis 420 verwundeten Soldaten belegt. Allein 1943 wurden über 2.200 Soldaten dort behandelt – eine gewaltige Kraftanstrengung, da die jungen Brüder und die Angestellten fast alle zum Arbeitsdienst oder zur Wehrmacht eingezogen waren. Um den Pflegebetrieb in den Lazaretten und die Bewirtschaftung und Ernährung sicherstellen zu können, wurden Kriegsgefangene und Fremdarbeiter beschäftigt.
 19 POLNISCHE UND FRANZÖSISCHE KRIEGSGEFANGENE, für die das Brüderhaus die vorgeschriebene Abgabe von 2,40 Reichsmark pro Tag und Person an die Gemeinde entrichtete, weisen die erhaltenen Arbeitspläne des Lagers Montabaur insgesamt nach. Aus anderen Quellen wird ersichtlich, dass zwischen 1940 und Kriegsende 1945 im Krankenhaus/Lazarett bzw. in den angeschlossenen Eigenbetrieben der Barmherzigen Brüder zumindest 58 ausländische Zivilarbeiter tätig waren, acht hiervon Frauen. Von den Arbeitern waren manche nur wenige Monate bei den Brüdern, manche mehrere Jahre. Wahrscheinlich sind sie je nach Bedarf auf dem Gut Roßberger Hof oder zur Unterstützung der Hauswirtschaft und Werkstätten des Krankenhauses und des Brüderhauses eingesetzt worden. In der Stadt Montabaur selbst waren sehr viele ausländische Arbeitskräfte eingesetzt. Es bestand ein Zivilarbeiterlager mit 500 Personen und das Kriegsgefangenenlager »962«.
 DIE CHRONIK DES MUTTERHAUSES der Barmherzigen Brüder berichtet: »Am 20.12.1943 explodierte ein feindliches Flugzeug an der Hollerstraße – Spießweiher. Sieben Leichen wurden, zum Teil verkohlt, geborgen (Engländer). Sie wurden von deutschen Stellen würdelos behandelt. Es durfte kein Deutscher bei der Beerdigung helfen. Bei uns arbeitende Ausländer (Polen) besorgten unter Leitung unseres Gärtnerbruders die Beerdigung auf unserem Brüderfriedhof. Ein schmachvolles Zeugnis für unsere damalige städtische Leitung.«   
 Zur Liste aller Einrichtungen im Bistum Limburg, in denen Zwangsarbeiter untergebracht oder beschäftigt waren.
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 DIE BARMHERZIGEN BRÜDER VON MONTABAUR  sind eine Laienbrüderkongregation, die 1856 gegründet wurde. Für diese geistliche Gemeinschaft steht die Pflege von Kranken im Zentrum ihres Wirkens. Im Bistum Limburg verfügte der Orden 1936 über Niederlassungen in Bad Ems, Hadamar (1936 aufgelöst), Limburg, Frankfurt-Allerheiligen, Frankfurt-Höchst und Wiesbaden-Maria-Hilf.
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Anmeldung von Arbeitskräften (Montabaur) (66 kB)

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Überlassung von Kriegsgefangenen (565 kB)