FRANKFURT
KIRCHLICHE QUARTIERE FÜR DEN »AUSLÄNDEREINSATZ«

 DIE PFARREI ST. JOSEPH und die Dernbacher Schwestern waren über viele Jahrzehnte eng verknüpft. 1871 bat Pfarrer Dr. Rody sie, die Armen- und Krankenpflege zu übernehmen. 1875 entstand ein kleines Kloster, das heutige Marienheim. Mit der Zeit kamen hinzu: eine Suppenküche für bedürftige Kinder, das St. Anna-Haus – ein Kinderheim für bis zu 40 Halb- und Vollwaisen und »gefährdete Mädchen« –, das Josephsheim als »Sammelpunkt für unsere Vereine und eine Heimstätte für die gefährdete Jugend«, das unter anderem Arbeiterwohnungen, einen Laden, Vereins- und Chorräume, die Borromäusbibliothek, den Festsaal mit Bühne sowie die Restauration »Josephsheim« und das Notburga-Mädchenheim einschloss. 1914 wurden diese Einrichtungen, die sämtlich der Leitung der Dernbacher Schwestern unterstanden, um das St. Josephs-Schwesternhaus mit dem »St. Martha-Mädchenheim« sowie einer Damenpension erweitert und im Marienheim ein Arbeiterwitwenheim eingerichtet.   
 DER SAAL DES JOSEPHSHEIMS wurde im März 1941 gegen Vergütung zur Einquartierung italienischer Arbeiter beschlagnahmt. Ein Großteil der zunächst 135 Männer siedelte im Dezember 1942 in andere Lager innerhalb Frankfurts um bzw. kehrte nach Italien zurück. Vier Personen blieben bis nach Kriegsende in Bornheim. Welcher Arbeit sie nachgingen, ist noch unbekannt, auch ob sie direkt in einer der Einrichtungen in St. Joseph eingesetzt waren. Anfang 1942 nahm eine Pionierabteilung der Wehrmacht Quartier im Pfarrsaal. Wie sich das zeitgleich zur Einweisung der Italiener realisieren ließ, bedarf noch der Klärung.   
 IM ST. JOSEPHS-SCHWESTERNHAUS fanden 16 ausländische Mädchen und Frauen eine Unterkunft. Sie stammten aus Frankreich, den Niederlanden, Italien, Jugoslawien, Polen und aus »Ungarn-Slowakei«. In der Schwesternhaus-Kapelle hielt Pfarrer Höhler ab August 1940 Gottesdienste für französische Kriegsgefangene, die in der Bergerstraße 96 (Wirtschaft Bantze) wohnten. Die Teilnahme von Zivilisten war untersagt. 1941 kamen zwei Chorfrauen und eine Laienschwester aus dem beschlagnahmten Benediktinerinnenkloster Eibingen im Rheingau zu den Schwestern. Das Schwesternhaus, das Witwenheim sowie der Mittelbau des Josephsheims wurden durch Bomben 1944 völlig zerstört, das St. Anna-Haus 1945. Da damit auch alle Akten vernichtet wurden, konnte bislang nicht geklärt werden, ob einige der im Schwesternhaus untergebrachten Frauen dort auch als Zwangsarbeiterinnen beschäftigt waren.
 Zur Liste aller Einrichtungen im Bistum Limburg, in denen Zwangsarbeiter untergebracht oder beschäftigt waren.
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 EINE SPEZIELLE PROBLEMATIK  kam auf kirchliche Einrichtungen in Frankfurt zu: Etwa 40.000 Zwangsarbeiter, die in Frankfurter Unternehmen eingesetzt waren, benötigten Quartiere. Auch katholische Einrichtungen wurden hierfür herangezogen. Mindestens 111 Zwangsarbeiter waren zwischen 1940 und 1945 in katholischen Einrichtungen in Frankfurt untergebracht, mindestens 46 dort beschäftigt. Die Recherchearbeit ist hier besonders schwierig, da viele Quellen – vor allem Personalunterlagen und Hausstandsbücher – durch Kriegseinwirkung verloren sind.