Pfarrei St. Gallus, zeitgenössische Ansicht.
(Foto: Bischöfliches Ordinariat Limburg).

»Der Schwarzen Brut haut auf die Schnut«: Nazi-Schmierereien an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen (1934). (Foto: Bischöfl. Ordinariat Limburg)

FRANKFURT
KIRCHLICHE QUARTIERE FÜR DEN »AUSLÄNDEREINSATZ«

 DIE PFARREI ST. GALLUS verlor 1944 durch Fliegerangriffe nahezu alle kirchlichen Bauten. Im Schwesternhaus starben acht Menschen, unter ihnen die Oberin. Dennoch fanden auf dem Gelände der Pfarrei im so genannten »Lager Mainzer Landstraße 299« am 3. November ausländische Arbeitskräfte aus dem Lager der Firma Voigt & Häffner Aufnahme: Eugen D. aus Frankreich und die hochschwangere Veronika D. aus Litauen, beide ledig. Nur drei Wochen später wurde hier ihr gemeinsamer Sohn Johann geboren. Mit ihnen trafen eine Polin und eine Litauerin mit ihrer sieben Wochen alten unehelichen Tochter ein. Ob weiterhin die Verpflichtung bestand, bei Voigt & Häffner zu arbeiten oder ob andere Tätigkeiten, etwa in der Pfarrei, übernommen wurden und wer ihnen diese Bleibe anwies, sind noch offene Fragen. Insbesondere ist nicht recht vorstellbar, wie die Unterkunft ausgesehen haben mag, da wenige Monate zuvor alle Gebäude fast restlos zerstört wurden und nur der Turm der Kirche aus den Trümmern aufragte.
 MIT DEM MUTTERHAUS KLOSTER ST. URSULA in Frankfurt, St. Anna in Königstein und St. Josef in Geisenheim verfügte die »Gesellschaft der hl. Ursula« in der Diözese Limburg seit 1889 über drei Niederlassungen einer selbständigen Kongregation. Die drei angegliederten Internatsschulen für höhere Töchter mussten 1940 geschlossen werden, da die Schülerinnenzahlen durch staatliche Eingriffe in die Schulwahlfreiheit rapide gesunken waren. Die Räumlichkeiten mussten für caritative und militärische Zwecke zur Verfügung gestellt werden. Die hauswirtschaftliche Verantwortung verblieb bei den Ursulinen. Die St. Anna-Schule musste für eine NS-Lehrerinnenbildungsanstalt geräumt werden, die Schwestern zogen in eine Privatvilla, wo sie ein kleines Altenheim einrichteten. Auch die Frankfurter Niederlassung diente bis zur Ausbombung 1944 als Altenheim und »Unterkunft für Berufstätige und in der Berufsausbildung Stehende«. Eine französische »Einsatzarbeiterin« ist hier gemeldet. Ob sie im Ursulinenkloster oder anderswo gearbeitet hat, war bisher nicht zu klären. Schwestern und Altenheim wurden nach Zerstörung der Klosteranlage in die Zisterzienserabtei Marienstatt evakuiert.
 DIE PHILOSOPHISCH-THEOLOGISCHE HOCHSCHULE ST. GEORGEN in Oberrad wurde bereits 1934 durch Nazi-Schmierereien verunglimpft: »Der schwarzen Brut haut auf die Schnut!«. Während des Krieges wurde die Lehranstalt teilweise als städtisches Hilfskrankenhaus beschlagnahmt. Fünf Ausländer lebten hier.
 Zur Liste aller Einrichtungen im Bistum Limburg, in denen Zwangsarbeiter untergebracht oder beschäftigt waren.
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 EINE SPEZIELLE PROBLEMATIK  kam auf kirchliche Einrichtungen in Frankfurt zu: Etwa 40.000 Zwangsarbeiter, die in Frankfurter Unternehmen eingesetzt waren, benötigten Quartiere. Auch katholische Einrichtungen wurden hierfür herangezogen. Mindestens 111 Zwangsarbeiter waren zwischen 1940 und 1945 in katholischen Einrichtungen in Frankfurt untergebracht, mindestens 46 dort beschäftigt. Die Recherchearbeit ist hier besonders schwierig, da viele Quellen – vor allem Personalunterlagen und Hausstandsbücher – durch Kriegseinwirkung verloren sind.