FRANKFURT KIRCHLICHE QUARTIERE FÜR DEN »AUSLÄNDEREINSATZ« IM KARLSHAUS DES KATHOLISCHEN GESELLENVEREINS, geleitet von den Franziskanerinnen von Erlenbad, waren mindestens 19 Zwangsarbeiter untergebracht, der jüngste 15, der älteste 50 Jahre alt. Sie stammten aus Italien, Frankreich, der Slowakei, Russland und den Niederlanden. Als Berufe wurden Dreher, Metzger, Mechaniker, Schweißer, Anstreicher, Fräser, Elektriker, Fabrikarbeiter, Schneider und Konditor angegeben. Ein französischer Zivilarbeiter wurde laut Gestapo-Kartei wegen Verdachts auf Arbeitsvertragsbruch für vier Wochen in Polizeihaft genommen. DAS HEIM FÜR KAUFLEUTE UND STUDENTEN – 1929 von dem geistlichen Studienrat Augustin Manns gegründet – verfolgte das Ziel, Auszubildenden und Studierenden aus ländlichen Regionen und dem Ausland eine preisgünstige, gut ausgestattete Unterkunft zu bieten und sie vor den »moralischen Gefahren« der Großstadt zu bewahren. Wie viele der 31 während des Krieges als dort wohnhaft nachgewiesenen Ausländer zur Ausbildung in Frankfurt weilten, wie viele als Zwangsarbeiter kamen, ist ungewiss. Sehr wahrscheinlich musste ein Teil des Hauses für die Unterbringung von Fremdarbeitern zur Verfügung gestellt werden. Dafür spricht auch, dass das Heim wegen der seelsorglichen Bemühungen Manns in Frankfurter Betrieben als Treffpunkt für »französische Arbeiter« galt. INTERESSANTE EINBLICKE erlauben die Schreiben des Geistlichen Wilhelm Nicolay, dem die Lebensverhältnisse italienischer und französischer Arbeiterinnen im Mädchenheim der Aachener Franziskanerinnen am Herzen lagen: »Dem Hochwürdigsten Bischöflichen Ordinariat teile ich mit, daß seit längerer Zeit über 50 Mädchen sich in dem Heim Hans-Handwerk-Str. 12 befinden, die teils (...) Italiener sind, teils (...) dem französischen Sprachgebiet angehören; sie sind als Arbeitskräfte in großen Betrieben tätig. (...) Schon vor längerer Zeit begab ich mich auf das Polizeirevier in der Cranachstraße, das mich an die Geheime Staatspolizei verwies. (...) Ich war auch da, sagte, daß das Arbeitsamt die fremdsprachigen Mädchen da eingewiesen habe, (...) der Herr aber war nicht orientiert, gab mir als Verhaltensmaßregel eine äußerste Zurückhaltung, er werde sich erkundigen.« Auf seine Anfrage bei der Gestapo erhielt Nicolay keine Antwort. So wandte er sich noch einmal an die Bistumsleitung: »Betreffs der seelsorglichen Betreuung der fremdsprachigen Arbeiterinnen in der Hans-Handwerk-Straße 12 besprach ich mich mit der Provinz- und Hausoberin (...) Leider beherrscht keine der Schwestern das Französische, so daß meine Tätigkeit alleine den Arbeiterinnen einige Klänge in der Muttersprache im dortigen Haus bieten konnte. Ich halte in der Regel alle 14 Tage einen Vortrag beim Frühstück in französischer Sprache. Andere Möglichkeit wurde mir nicht geboten, ich höre die Arbeiterinnen Beicht, wenn sie sich im Beichtstuhl einfinden (...). Ich (...) bat öfter, eine Dame für die Arbeiterinnen als Vertreterin ihrer Mutter anzuwerben. Das gelang nach längerer Zeit, Frau Dr. Klein aus Coblenz nimmt sich (...) der Arbeiterinnen jetzt an, hält mit ihnen gemeinsam im Oktober Rosenkranzandacht, an der 8 Arbeiterinnen teilnahmen. Gesänge in fremder Sprache erfüllen das Haus, religiöse und weltliche Lieder erklingen in fremdem Idiom, die Ansprache des italienischen Geistlichen, der häufig zu den Arbeiterinnen kommt, gibt sicher fast allen Worte des Trostes und der Erbauung.«
|
 |

 |
 |
UNTERGEBRACHT UND TEILWEISE BESCHÄFTIGT waren Zwangsarbeiter in folgenden katholischen Einrichtungen: - Karlshaus des Kath. Gesellenhausvereins e.V., Innenstadt; - Heim für Kaufleute und Studenten, Innenstadt; - Kloster der Franziskanerinnen von Aachen, Innenstadt; - Pfarrei St. Josef, Bornheim; - Pfarrei St. Gallus, Gallus; - Monikaheim, Gallus; - Kloster St. Ursula, Nordend; - Philos.-Theol. Hochschule St. Georgen, Oberrad. |
 |
|
  |