Das Missionshaus der Pallottiner
(Foto: Provinzarchiv der Pallottiner)

Aktuelle Ansicht des Missionshauses der Pallottiner.
(Foto: F. Löhr)

LIMBURG
MISSIONSHAUS DER PALLOTTINER

 BEREITS VOR KRIEGSBEGINN wurde das Missionshaus der Pallottiner als Hilfskrankenhaus beschlagnahmt, da das Vinzenzhospital in Limburg Militärlazarett wurde. 1941– viele Brüder waren an der Front – forderten die Pallottiner Kriegsgefangene an, um die große Landwirtschaft weiter betreiben zu können. Anfangs mussten diese täglich aus dem Stammlager Freiendiez abgeholt und abends zurückgebracht werden, bis Rektor P. Bange die Einrichtung eines eigenen Lagers mit eigenem Wachkommando in den Noviziatsräumen aushandelte. Dort wurden rund 50 Franzosen untergebracht.
 DER GESTAPO waren die Kontakte zwischen den Kriegsgefangenen und den Pallottinern bald ein Dorn im Auge. Verschiedentlich wurden Brüder wegen »religiöser Betreuung« der Gefangenen und ähnlicher »Vergehen« festgenommen. 1943 wurden die französischen gegen 20 halb verhungerte sowjetische Gefangene ausgetauscht. 1944 schließlich mussten alle Pallottiner, die nicht im Krankenhaus arbeiteten, das Haus verlassen. Bald darauf wurde das Lager aufgelöst. Stattdessen wurden »Ostarbeiter« zugewiesen.      
Auf dem Gelände der Pallottiner befand sich auch eine von den übrigen Stationen getrennte Entbindungsbaracke für »Ostarbeiterinnen«.
 EINE AUßERGEWÖHNLICHE GESCHICHTE ist die der Ärztin Walentina R., die im Hilfskrankenhaus arbeitete. Als Chefarzt Dr. Bremer nach Kriegsende das Spruchkammerverfahren zur Entnazifizierung durchlief, hob sein Anwalt hervor, Bremer habe »die russische Ärztin R. als vollwertige Assistentin behandelt, die auch bei vielen Operationen Deutscher assistierte und leichte Operationen allein ausführte. Ohne Rücksicht auf die ihm persönlich erwachsenden Schwierigkeiten durch die im gleichen Haus wohnende Gestapo setzte er sich mit Erfolg für die Ärztin ein, als diese am 14.5.1944 verhaftet wurde, wenn er auch die (...) 2. Verhaftung nicht mehr rückgängig machen konnte.« Nach Aussage einer damaligen Assistenzärztin hat Walentina R. seit 1943 trotz ausdrücklichen Verbots fast täglich bei Operationen mitgewirkt. Am 17. Oktober 1944 wurde Walentina R. zum zweiten Mal verhaftet und in das Lager Hirzenhain im Vogelsberg gebracht.   
 MIT HILFE EINER DEUTSCHEN FREUNDIN konnte Walentina R. am 25. März 1945 fliehen. 87 Mitgefangene wurden einen Tag später von der SS ermordet – vier Tage vor der Ankunft der US-Truppen. Am 6. April 1945 kehrte Walentina R. in das Hilfskrankenhaus zurück, wo Dr. Bremer sie wieder einstellte. Sie arbeitete dort bis zum 9. Juni 1945. Dann reiste sie, ausgestattet mit Zeugnissen von Dr. Bremer, mit unbekanntem Ziel ab.      
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 DIE GEMEINSCHAFT DER PALLOTTINER  (Gesellschaft des katholischen Apostolats) wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von Vinzenz Pallotti in Rom gegründet. In Limburg ist sie seit 1896 ansässig. Dem dortigen Missionshaus gehörten vor Ausbruch des Krieges (Stand 1. Januar 1939) 44 Patres, 110 Theologen, 147 Brüder und 35 Novizenbrüder an. Bis 1945 wurden 56 von ihnen in Haft genommen, davon 8 in Konzentrationslagern. Ihnen wurden unter anderem »Gesprächskontakte« zu Fremdarbeitern vorgeworfen. Von den verbleibenden Patres, Brüdern und Theologen fiel eine große Zahl an der Front.
In den Kriegsjahren waren über 70 ausländische Frauen und Männer bei den Pallottinern beschäftigt.
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Aus dem Werkstattbericht (78 kB)