BALDUINSTEIN
OBSTGUT SCHWALBENSTEIN DER MISSIONSSCHWESTERN VOM HEILIGSTEN HERZEN JESU VON HILTRUP

 MINDESTENS ZWEI KRIEGSGEFANGENE UND ZWEI ZIVILARBEITER waren im Obstgut der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu von Hiltrup land- und bauwirtschaftlich beschäftigt. Über sie heißt es 1939 in der Chronik des Hauses: »Um der Abgabepflicht an Gemüse genügen zu können, wurden uns nach langen Verhandlungen 2 Gefangene zugewiesen, die zum Stalag auf der Schaumburg gehörten. Außerdem konnten wir noch 2 ausländische Arbeiter einstellen, die Kost und Logis im Haus hatten.« Und weiter: »1940 wurde mit dem Bau des Erdhauses begonnen (...). Die Genehmigung bekamen wir nur unter der Versicherung, daß das Haus nur mit eigenen Kräften erstellt würde. Die beiden ausländischen Arbeiter freuten sich sehr, mit dieser Aufgabe betraut zu werden, und holten sich nach Feierabend oft Erkundigungen und Ratschläge beim Bauunternehmer Lenau in Balduinstein ein.«
 GEGEN ENDE DES KRIEGES »kamen die vielen Flüchtlinge, Polen, Ukrainer usw. Zum Schluß hatten wir den ganzen freien Hühnerstall voll Ukrainer. Stroh, Matratzen und Decken dienten als Lager. Den Flüchtlingsfrauen bereiteten wir Notunterkunft auf dem Hausboden (...). Und dann kamen die Amerikaner. Sie ließen kein Haus undurchsucht, nur unser Haus haben sie nicht betreten, das hatten wir wohl den Franzosen zu verdanken, die als Gefangene bei uns waren.«
 Zur Liste aller Einrichtungen im Bistum Limburg, in denen Zwangsarbeiter untergebracht oder beschäftigt waren.
 Zurück zur Übersichtskarte
 DIE ORDENSGEMEINSCHAFT  der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu von Hiltrup wurde 1900 in Hiltrup bei Münster gegründet. 1930 erwarben die Schwestern in Balduinstein das Obstgut Schwalbenstein. Dort richteten sie eine staatlich anerkannte Gärtnerinnenschule ein. Die Anlage umfasste eine Obstplantage, sechs Gewächshäuser für ganzjährigen Pfirsichanbau, einen Spaliergarten, Gemüsefreiland, ein Gurken-, ein Weinhaus und einen großzügigen Park. Etwa 20 bis 30 Schülerinnen, darunter auch Schwestern verschiedener anderer Ordensgemeinschaften, wurden unterrichtet. 1933 kam eine Haushaltungsschule mit etwa 20 Schülerinnen dazu. Beide Schulen mussten 1939 auf staatliche Verfügung hin geschlossen werden. Das Haus widmete sich daraufhin der »Volkswohlfahrt«: Von Oktober 1940 bis November 1941 wies der Caritasverband Hamburg den Schwestern zehn Kinder zur Erholung zu. Im September 1942 trafen 30 Senioren aus einem Düsseldorfer Altersheim ein.