ES DAUERTE FÜNF JAHRZEHNTE, in denen das Thema in Forschung, Politik und Medien kaum Aufmerksamkeit fand, bevor Zwangsarbeit und ihre Opfer zu einem Gegenstand der öffentlichen Diskussion in Deutschland wurden. Die Katholische Kirche war dabei keineswegs unter den Ersten: Noch im Juni 2000 sah die Deutsche Bischofskonferenz keinen Anlass für eine eigene Initiative. Als im Juli 2000 der Bundestag das Gesetz zur Errichtung der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« verabschiedete, wurden auch die Kirchen aufgefordert, sich daran zu beteiligen. Nachdem die EKD sich sehr schnell zu einer Beteiligung in Höhe von 10 Millionen DM entschlossen hatte und im ARD-Magazin »Monitor« über Fälle von Zwangsarbeitern in kirchlichen Einrichtungen berichtet worden war, erhöhte sich der Druck auf die Katholische Kirche. In verschiedenen Bistümern begannen intensive Recherchen.
ZWANGSARBEIT WAR BIS DAHIN KEIN THEMA in den kirchlichen Einrichtungen gewesen – obwohl vereinzelt auch nach 1945 noch Kontakte zu ehemaligen Zwangsarbeitern bestanden. Die eigene Verstrickung wurde nicht erkannt oder verdrängt, und so überraschte es viele, dass tatsächlich auch hier – in diesem Krankenhaus, in diesem Kloster – Zwangsarbeiter beschäftigt worden waren.
EIN SCHULDBEKENNTNIS sprachen die deutschen Bischöfe endlich am 27. September 2000 in ihrem Hirtenwort »Gerechter Friede« aus: »Wie bitter und doch notwendig es sein kann, demütig Rechenschaft über eigenes Versagen und eigene Schuld gegenüber verhängnisvollen Entwicklungen in der Gesellschaft abzulegen, haben wir in jüngster Vergangenheit selbst erfahren. Denn es stellte sich die Frage nach dem Anteil von Gliedern der Kirche am nationalsozialistischen Krieg, der auf Eroberung, Versklavung und Vernichtung der Nachbarvölker Deutschlands abzielte. Der Charakter dieses vorsätzlich heraufbeschworenen Krieges wurde auch von vielen Christen lange verkannt, seine Dimensionen wurden erheblich unterschätzt. Selbst solche, die keinerlei Sympathie für den Nationalsozialismus empfanden oder ihm sogar ausgesprochen ablehnend gegenüberstanden, waren oft in nationalsozialistischen Vorstellungen gefangen, die sie das leidvolle Schicksal der angegriffenen Völker kaum wahrnehmen ließen. (...) Gerade im Licht jüngster Vergangenheit zeigt sich erneut: Die Kirche, die ihren gottgewollten Platz an der Seite der Schwachen hat, ist selber schwach, nur in Christus stark und deshalb bleibend auf seine Stärke angewiesen. Sobald sie ihre Schwäche leugnet und selbstgerecht wird, steht sie sich und ihrer Sendung im Weg.«