Fronarbeit im alten Ägypten

 VIELE VÖLKER DER ANTIKE kannten die Sklaverei. Anfangs wurden vor allem bei Feldzügen gefangen genommene Feinde gezwungen, ihre Arbeitsleistung den Siegern zur Verfügung zu stellen. Daraus entwickelten sich bald ein schwunghafter Sklavenhandel und eine regelrechte Sklavenjagd, um für Nachschub zu sorgen.          
Eines der wichtigsten auf Sklavenarbeit beruhenden Wirtschaftssysteme der Antike war das des Römischen Reiches. Auch die römischen Herrscher ließen bereits Massendeportationen durchführen.
 IM FRÜHEN MITTELALTER trat in den europäischen Ländern an die Stelle der Handelsware »Sklave« die Verpflichtung der Landbevölkerung zu Frondiensten für ihren Grundherrn; die Fronarbeit als neue Form der Sklaverei löste die antike Form ab. Mit der spanischen »Entdeckung« Amerikas gewann der Sklavenhandel jedoch wieder an Bedeutung. Um die hohe Sterblichkeit auf den Plantagen der »Neuen Welt« auszugleichen, ging man vor allem in Schwarzafrika auf Sklavenjagd.
 AUCH AUSSERHALB EUROPAS war die Sklaverei verbreitet. So gab es in arabischen Ländern so genannte Haussklaven, die zur Lebensgemeinschaft einer Familie gehörten. Wie christliche führten aber auch islamische Herrscher und Eroberer grausame Kriegszüge durch, die vor allem in Ostafrika ganze Reiche entvölkerten.
 MIT DER EUROPÄISCHEN AUFKLÄRUNG wuchs die Erkenntnis, dass Zwangsarbeit und insbesondere Sklaverei Unrecht sind. 1808 verboten Großbritannien und die USA den transatlantischen Sklavenhandel, nicht aber die Sklaverei an sich. Die wachsenden wirtschaftlichen Spannungen zwischen den Nord- und den Südstaaten der USA eskalierten 1860 an der Frage der Sklaverei in einem verheerenden Bürgerkrieg. Die Nordstaaten gewannen diesen letztlich aufgrund ihrer höheren Wirtschaftskraft. In den Südstaaten dagegen war die Industrialisierung unter anderem durch das Sklavensystem behindert worden.
 DIE SKLAVENHALTUNG ALS ARBEITSKRÄFTERESERVOIR war angesichts der im Zuge der Industrialisierung entstandenen Landflucht und »Verelendung der Massen« nicht mehr konkurrenzfähig: Es war günstiger, bei Bedarf einige Arbeitslose zu niedrigen Löhnen einzustellen und ansonsten das Kapital in Maschinen statt in Sklaven anzulegen.
So standen den Thesen der Aufklärung keine gewichtigen wirtschaftlichen Interessen mehr entgegen. Den Bewegungen gegen Sklaven- und Zwangsarbeit gelang es, die grundsätzliche Beendigung der Sklaverei in den meisten Staaten weltweit durchzusetzen. Erst 1930 aber kam es zum Abschluss eines internationalen »Übereinkommens über Zwangs- oder Pflichtarbeit«, das Zwangsarbeit grundsätzlich ächtet. Die Bundesrepublik Deutschland trat diesem Abkommen 1956 bei.
 MIT DEM FORTSCHREITEN DER ZIVILISATION  machten die Herrschenden oft keine Unterschiede mehr zwischen gefangenen Sklaven und der einheimischen Bevölkerung. Die Pyramiden im alten Ägypten wurden wohl zu einem großen Anteil durch Fronarbeit der eigenen Landbevölkerung errichtet.