Besuch des Geldmuseums der Deutschen Bundesbank im Rahmen des deutsch-polnischen Schüleraustausches.
(Foto: M. Waldraff)

Zum Programm des deutsch-polnischen Schulpartnerschaft gehören auch biologisch-chemische Untersuchungen und Qualitätsbestimmungen der Flüsse bei Ilawa und Herborn.
(Foto: M. Waldraff)

 VIELERORTS sind Menschen dabei, das Thema Zwangsarbeit aufzuarbeiten. Dabei geht es um mehr als um das Verständnis von Geschichte und um die Kirche. Es geht darum, die Würde der Opfer von Zwangsarbeit und Gewaltherrschaft wieder aufzurichten. Die Erinnerung und die Bitte um Verzeihung sind Voraussetzungen für jede echte Versöhnung. Nur auf dieser Basis können wir ein gemeinsames Europa, eine gemeinsame Welt aufbauen.
 DER BEZUG ZU UNS HEUTE ergibt sich aber auch aus der Tatsache, dass es Zwangsarbeit in vielfältiger Form noch heute gibt. Hier gilt es, die unterdrückenden Strukturen und ihre Nutznießer aufzudecken und anzuprangern und ihnen entschieden entgegenzutreten.
 DIE IM FOLGENDEN VORGESTELLTEN PROJEKTE UND IDEEN von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind auch als Anregung zu verstehen, selbst aktiv zu werden.
 »IDENTITÄT: JUNGE MENSCHEN IN EUROPA – SO STELLEN WIR UNS VOR«       
Seit Anfang der 90er Jahre besteht zwischen Herborn, im Nordwesten Hessens gelegen, und Ilawa im polnischen Ermland eine Schulpartnerschaft, aus der Ende der 90er Jahre sogar eine Städtepartnerschaft erwuchs. Im Mai und Juni 2000 fand unter dem Thema »Identität: Junge Menschen in Europa – So stellen wir uns vor« erstmals ein projektorientierter Austausch statt. Je eine Woche in Deutschland und in Polen begaben sich die Schüler gemeinsam mit Kamera und Reisetagebuch auf Spurensuche nach »Identität: Das ICH – das DU – das GEMEINSAME«. Historischen Aspekten kam man bei Ausflügen nach Danzig, dem ersten Angriffsziel der Deutschen im Zweiten Weltkrieg, und Marburg, wo polnische Spezialisten wesentlich zu Aufbau und Erhalt der Oberstadt beitrugen, nahe. In der Deutschen Bundesbank in Frankfurt/Main wurde die Zukunft als Nachbarn mit gemeinsamer Währung greifbar. Im Projektteil »Ilawa und Herborn, Partnerstädte am Wasser« führten die Schüler biologisch-chemische Untersuchungen und Qualitätsbestimmungen ihrer heimatlichen Flüsse durch. Dank der finanziellen Förderung durch die Robert-Bosch-Stiftung konnten die Arbeitsergebnisse und Fundstücke in einer Wanderausstellung öffentlich vorgestellt werden.   
 »WER VATER UND MUTTER NICHT EHRT, DER MUß INS TONWERK« Das Rechercheprojekt über Zwangsarbeit im alten Tonwerk in Heppenheim begann mit zufälligen Fundstücken. 1990 fanden Schüler der Bensheimer Geschwister-Scholl-Schule 1990 auf dem Gelände der stillgelegten Fabrik – heimlich als »Abenteuerspielplatz« genutzt – Ordner, die Schriftwechsel zwischen dem »Tonwerk Heppenheim Fritz Strauch & Co.«, der Deutschen Arbeitsfront, Parteiorganen und Staatseinrichtungen enthielten. 1995 wurde dieses Material die Grundlage eines gemeinsamen Rechercheprojektes der Leistungskurse Gemeinschaftskunde und Geschichte. In einer einjährigen Forschungsphase wurden Informationen zusammengetragen. Zunächst wurden anhand der aufgefundenen Dokumente Ausgangsfragen formuliert, etwa »Woher kamen die ausländischen Arbeitskräfte?« und »Was ist das für ein Unternehmen?« Die Ergebnisse wurden thematisch sortiert. Im zweiten Schritt fanden sich die Schüler je nach persönlichen Interessen zu Kleingruppen zusammen, die einzelne Aspekte vertiefend erforschten. Die Schüler sahen Spruchkammerakten ein, befragten die Bevölkerung, zogen Historiker zu Rate und suchten nach überlebenden Zwangsarbeitern des Tonwerks. Im dritten Schritt stellten die Schüler in der örtlichen Zeitung ihr Projekt vor. Der Artikel schloss mit einem Fragenkatalog. Durch diese gezielte Einbeziehung der Öffentlichkeit erhofften sich die Schüler Antworten auf noch offene Fragen – mit Erfolg.         
Mit Unterstützung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und des Hessischen Landesinstitutes für Pädagogik (HeLP) erschien 1999 die Dokumentation der Forschungsergebnisse unter dem Titel »Wer Vater und Mutter nicht ehrt, der muß ins Tonwerk« in der Schriftenreihe des HeLP und kann dort bestellt werden.      
 HORIZONT – FREIWILLIGENNETZWERK FÜR DEUTSCH-POLNISCHEN DIALOG Grenzen überwinden, in Dialog treten, den Horizont erweitern: »Horizont – Freiwilligennetzwerk für deutsch-polnischen Dialog« nennt sich eine Initiative, die Freiwillige aus mehreren europäischen Ländern zu Förderung und Erfahrungsaustausch zusammenbringt. Freiwilligendienste entstanden Ende der 50er Jahre aus dem Wunsch, zur Entschädigung und Versöhnung mit den Opfern des nationalsozialistischen Unrechts beizutragen. Freiwillige leben und arbeiten gegen ein kleines Taschengeld mehrere Monate im Ausland. Sie helfen in der Altenarbeit jüdischer Gemeinden, führen in Workcamps behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen, betreuen Gedenkstätten oder setzen Friedhöfe in Stand.      
Freiwillige Friedensdienste sind auch als Ersatz für den Zivildienst anerkannt. Bewerben kann man sich bei verschiedenen Träger- und Entsendeorganisationen wie zum Beispiel Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste und pax christi.