WENIGE KATHOLISCHE INITIATIVEN haben schon seit Ende der 40er Jahre den Dienst der Versöhnung mit den Opfern nationalsozialistischen Unrechts zu ihrem Anliegen gemacht. Sie sind getragen von der Überzeugung, dass nur aus der Begegnung und gegenseitigen Achtung wahrer Frieden wachsen kann. Zu diesen Initiativen gehören beispielsweise die Ackermann-Gemeinde, die katholische Friedensbewegung pax christi und das Maximilian-Kolbe-Werk. DIE ACKERMANN-GEMEINDE wurde 1946 durch einen Kreis sudetendeutscher Katholiken begründet, die ihre Herkunft aus Böhmen und Mährisch-Schlesien als Verpflichtung für ihr Wirken in Kirche und Gesellschaft empfanden. Heute ist diese Gemeinschaft offen für alle, die sich ihre Ziele zu eigen machen und das Leben dieser Gemeinschaft verantwortlich mitgestalten wollen. Die praktische Friedensarbeit im Dienste der Völkerversöhnung – vor allem mit den Völkern Ostmitteleuropas – ist seit der Gründung der Ackermann-Gemeinde ein Schwerpunkt ihrer vielseitigen Tätigkeit. Sie hat umfangreiche Kontakte vor allem nach Tschechien aufgebaut und dabei auch schwierige Themen nicht ausgespart. DIE INTERNATIONALE KATHOLISCHE FRIEDENSBEWEGUNG PAX CHRISTI entstand 1945 aus einer französischen Initiative zur Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich; die deutsche Sektion wurde 1948 gegründet. pax christi engagierte sich seit den 60er Jahren auch in der Versöhnungsarbeit mit Polen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit lag bis Ende der 80er Jahre in der Entschädigung für KZ-Opfer und im Aufbau von Dialogstrukturen über den »Eisernen Vorhang« hinweg. In den letzten Jahren widmete sich pax christi zunehmend auch der Aufarbeitung des Unrechts gegenüber den Zwangsarbeitern. Wiederholte Bitten an die Deutsche Bischofskonferenz, zu eigenen Verfehlungen während des Zweiten Weltkrieges Stellung zu nehmen und ein Schuldbekenntnis zu formulieren, blieben bis ins Jahr 2000 erfolglos. DAS MAXIMILIAN-KOLBE-WERK wurde 1973 auf Initiative der deutschen Sektion von pax christi gegründet. Sein Anliegen ist die Verständigung und Versöhnung zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Unterstützung ehemaliger KZ- und Getto-Häftlinge aus Polen und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas – unabhängig von ihrer Religion, Konfession oder Weltanschauung. Dabei geht es nicht einfach darum, Gelder zu verteilen, sondern der einzelne Mensch wird in den Mittelpunkt gestellt, seine persönliche Geschichte und seine leidvollen Erfahrungen zur Zeit des Nationalsozialismus. Dementsprechend ist der Kontakt von Mensch zu Mensch eigentliches Kernstück der Arbeit. Das Maximilian-Kolbe-Werk ist für viele Opfer des NS-Regimes ein Vertrauensfaktor geworden und vermittelt vielen eine Geborgenheit, die weit über den Rahmen eines Hilfswerkes hinausreicht und familiäre Beziehungen hat wachsen lassen.
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